10 Jahre theaterquarantäne

10 Jahre Freie Theatergruppe theaterquarantäne. 2004-2014. 10 Jahre konzeptuelles Theater: Junges Theater in Darmstadt. Bereits der Anfang war Programm: Eine verschlankte und verjüngte Form des Theaterdenkmals Datterich. Keiner der Darsteller älter als 25. Der Darmstädter Anti-Held, angekommen in der Welt von Harz IV und ALG 2. Der Schnorrer aus Überlebens-Notwendigkeit wie damals sein Autor Niebergall. Mit von der Partie u.a. David Gieselmann, der auch die Textfassung verantwortete, Jonas Zipf, Clé Braun, Mathias Znidarec, Steffen Klewar, Tim Lang, Nira Priore, Julia Rothfuchs, Florian Mania, und natürlich immer quirlig agil, vor Ideen nur so sprühend: Mathias Müller, unser formidabler Bühnenbildner der frühen Jahre. Der verrückteste Gedanke waren ihm und auch uns gerade gut genug. In der Firma Carl Schenck AG im legendären Bau 46, der ehemaligen Dreher-Halle(!), haben wir unseren “DATTERICH 05. 13 mal ausverkauft gespielt. Welch besseren Ort hätten wir finden können?

Und so ging's weiter: Jung bleiben im Anspruch. Unsere Ästhetik. Unsere Sicht auf die Stücke. Seis nun das Antikriegsdrama des Aischylos: “Die Perser - ab hier war dann Clé Braun als CoRegisseur mit dabei und auch immer wieder unvergleichlich Julia Rothfuchs; oder der selbstmörderische Drogenexzess der zynischen Kokserbande in “Totalschaden”: Steffen Link, Jochen Döring, Sascha Weitzel, live beschallt - Abend für Abend 4 Jahre lang mit Oliver Bock an den Geräten, Stationen waren der Schlosskeller, das “603”, das “Blumen”, das Dieburger Gefängnis, die Schwesterstadt Troyes (mit französischen Übertiteln). Nie den Mittelweg, eher das Risiko wählen. Für jeden Text eine uns gemässe Form und - der zweite wichtige Pfeiler unserer Arbeit - einen kongenialen Raum. Wir haben uns nicht eingenistet - von Schenck ging's in den “Kuhstall” des Gutshofes an der Erbacherstraße, dann in die “EARLstreet” zum POPart-Guru Andy Warhol (wer kennt nicht den ehemaligen Secondhandladen “Poido”?) - hier begann die äußerst fruchtbare Zusammenarbeit mit der Darmstädter Formation ‘Messerbrüder’ (Thomas Buchenauer, Florian Malicke) und natürlich der überragenden Rosa Opossum - oh lala; für Steffen Links faszinierendes Solo “Klamms Krieg” musste es ein kahler, kalter Klassensaal sein. Aber auch die “Krone” - gerade das richtige Ambiente für Lothar Becks Revoluzzer-Epos “I.T.O.” mit einer Paraderolle für Elena García-Gerlach, die urinhaltige Unterführung am LGG war gerade recht für die “Vagina-Monologe, das rappelige Dachgestühl der Bessunger Knabenschule empfing unseren Gast aus Paris und seine skandalöse Cocteau-Chronik “Le livre Blanc; die Empfangshalle der Sparkasse am Lui verwandelten wir in ein trunkenes Schiff mit Shakespeares “Macht was ihr wollt” - darin Florian Mania bravourös als Malvolio, waren Agenten unserer Stücke. Mit “Karl May - Remake des Schatzes im Silbersee von 2013 stieg eine verwahrloste Halle neben dem HoffART-Theater in den Rang eines ‘Filmstudios auf. Da schoben wir dann gleich unsere Antwort auf die zweijährige Büchnerfeierei nach: “Weidig_Der Staat ist gerecht”. Mit Christian Ihringer als mitreißendem Protagonisten.

Die letzte denkwürdige Eskapade führte nach Cuba und in die USA, wo das Solo “TeenSpirit jeweils in der Landessprache rauskam, mit dem virtuosen Michael Bay.

Wahrlich Nomaden in Quarantäne - der Name eine Hommage an D. Gieselmann, der uns ein Auftragsstück “Quarantäne auf den Leib geschneidert hatte -, usw usw…

 

Das sind wir, mittlerweile schon längst dem Jugendclub des Staatstheaters entwachsen, mit dem alles 1994 begann. Der damalige Intendant Dr. Girth und sein Chefdramaturg Dr. R. Waldschmidt (jetzt Intendant in Osnabrück), hatten uns ans Theater geholt mit “Magic Afternoon, große Rollen für Leonie Brandis und Larisa Teuber. Die Trennung vom gemachten Nest 2004 war auch unserem  künstlerischen Eigensinn geschuldet, irgendwie waren wir wohl pubertär geworden, renitent, ein bisschen t/rotzig. Wie auch immer. Das war nicht vereinbar mit dem Ansatz der damals antretenden, neuen Mannschaft. Wir sind ohne Ranküne geschieden. Es gab Neuland zu entdecken. Aufbruchsstimmung. Wenn's am Schönsten ist … Heute sind alle Altersklassen vertreten, Jürgen Barth unser ältester, unbremsbarer Mitstreiter. Unsere Ehemaligen finden sich an vielen deutschsprachigen Bühnen wieder.

Auch die aktuelle Arbeit, deren Premiere für den 10. Oktober geplant ist: “PUNK! steht voll in der Tradition unseres Ansatzes: Engagiertes Theater mit Lust, Lust am Denken, mit einer gelassenen Wut. Wir wissen keine Antworten, stellen aber Fragen. Um uns gemeinsam auf Neuland vorzuwagen. Mit den Zuschauern. Nicht nur mit den Füßen, sondern auch mit Kopf und Bauch.

Bei PUNK! sind dabei: Thomas Buchenauer, Florian Malicke, Piet Helfrich, Julia Rothfuchs, Christian Ihringer, Nico Bitzen, Lukas Ebentheuer, Jürgen Barth, Jochen Pollitt, Oliver Bock, Rosa Opossum, Nira Priore, Christoph Bornmüller und Hanno Hener.

10 Jahre theaterquarantäne

10 Jahre Freie Theatergruppe theaterquarantäne. 2004-2014. 10 Jahre konzeptuelles Theater: Junges Theater in Darmstadt. Bereits der Anfang war Programm: Eine verschlankte und verjüngte Form des Theaterdenkmals Datterich. Keiner der Darsteller älter als 25. Der Darmstädter Anti-Held, angekommen in der Welt von Harz IV und ALG 2. Der Schnorrer aus Überlebens-Notwendigkeit wie damals sein Autor Niebergall. Mit von der Partie u.a. David Gieselmann, der auch die Textfassung verantwortete, Jonas Zipf, Clé Braun, Mathias Znidarec, Steffen Klewar, Tim Lang, Nira Priore, Julia Rothfuchs, Florian Mania, und natürlich immer quirlig agil, vor Ideen nur so sprühend: Mathias Müller, unser formidabler Bühnenbildner der frühen Jahre. Der verrückteste Gedanke waren ihm und auch uns gerade gut genug. In der Firma Carl Schenck AG im legendären Bau 46, der ehemaligen Dreher-Halle(!), haben wir unseren “DATTERICH 05. 13 mal ausverkauft gespielt. Welch besseren Ort hätten wir finden können?

Und so ging's weiter: Jung bleiben im Anspruch. Unsere Ästhetik. Unsere Sicht auf die Stücke. Seis nun das Antikriegsdrama des Aischylos: “Die Perser - ab hier war dann Clé Braun als CoRegisseur mit dabei und auch immer wieder unvergleichlich Julia Rothfuchs; oder der selbstmörderische Drogenexzess der zynischen Kokserbande in “Totalschaden”: Steffen Link, Jochen Döring, Sascha Weitzel, live beschallt - Abend für Abend 4 Jahre lang mit Oliver Bock an den Geräten, Stationen waren der Schlosskeller, das “603”, das “Blumen”, das Dieburger Gefängnis, die Schwesterstadt Troyes (mit französischen Übertiteln). Nie den Mittelweg, eher das Risiko wählen. Für jeden Text eine uns gemässe Form und - der zweite wichtige Pfeiler unserer Arbeit - einen kongenialen Raum. Wir haben uns nicht eingenistet - von Schenck ging's in den “Kuhstall” des Gutshofes an der Erbacherstraße, dann in die “EARLstreet” zum POPart-Guru Andy Warhol (wer kennt nicht den ehemaligen Secondhandladen “Poido”?) - hier begann die äußerst fruchtbare Zusammenarbeit mit der Darmstädter Formation ‘Messerbrüder’ (Thomas Buchenauer, Florian Malicke) und natürlich der überragenden Rosa Opossum - oh lala; für Steffen Links faszinierendes Solo “Klamms Krieg” musste es ein kahler, kalter Klassensaal sein. Aber auch die “Krone” - gerade das richtige Ambiente für Lothar Becks Revoluzzer-Epos “I.T.O.” mit einer Paraderolle für Elena García-Gerlach, die urinhaltige Unterführung am LGG war gerade recht für die “Vagina-Monologe, das rappelige Dachgestühl der Bessunger Knabenschule empfing unseren Gast aus Paris und seine skandalöse Cocteau-Chronik “Le livre Blanc; die Empfangshalle der Sparkasse am Lui verwandelten wir in ein trunkenes Schiff mit Shakespeares “Macht was ihr wollt” - darin Florian Mania bravourös als Malvolio, waren Agenten unserer Stücke. Mit “Karl May - Remake des Schatzes im Silbersee von 2013 stieg eine verwahrloste Halle neben dem HoffART-Theater in den Rang eines ‘Filmstudios auf. Da schoben wir dann gleich unsere Antwort auf die zweijährige Büchnerfeierei nach: “Weidig_Der Staat ist gerecht”. Mit Christian Ihringer als mitreißendem Protagonisten.

Die letzte denkwürdige Eskapade führte nach Cuba und in die USA, wo das Solo “TeenSpirit jeweils in der Landessprache rauskam, mit dem virtuosen Michael Bay.

Wahrlich Nomaden in Quarantäne - der Name eine Hommage an D. Gieselmann, der uns ein Auftragsstück “Quarantäne auf den Leib geschneidert hatte -, usw usw…

 

Das sind wir, mittlerweile schon längst dem Jugendclub des Staatstheaters entwachsen, mit dem alles 1994 begann. Der damalige Intendant Dr. Girth und sein Chefdramaturg Dr. R. Waldschmidt (jetzt Intendant in Osnabrück), hatten uns ans Theater geholt mit “Magic Afternoon, große Rollen für Leonie Brandis und Larisa Teuber. Die Trennung vom gemachten Nest 2004 war auch unserem  künstlerischen Eigensinn geschuldet, irgendwie waren wir wohl pubertär geworden, renitent, ein bisschen t/rotzig. Wie auch immer. Das war nicht vereinbar mit dem Ansatz der damals antretenden, neuen Mannschaft. Wir sind ohne Ranküne geschieden. Es gab Neuland zu entdecken. Aufbruchsstimmung. Wenn's am Schönsten ist … Heute sind alle Altersklassen vertreten, Jürgen Barth unser ältester, unbremsbarer Mitstreiter. Unsere Ehemaligen finden sich an vielen deutschsprachigen Bühnen wieder.

Auch die aktuelle Arbeit, deren Premiere für den 10. Oktober geplant ist: “PUNK! steht voll in der Tradition unseres Ansatzes: Engagiertes Theater mit Lust, Lust am Denken, mit einer gelassenen Wut. Wir wissen keine Antworten, stellen aber Fragen. Um uns gemeinsam auf Neuland vorzuwagen. Mit den Zuschauern. Nicht nur mit den Füßen, sondern auch mit Kopf und Bauch.

Bei PUNK! sind dabei: Thomas Buchenauer, Florian Malicke, Piet Helfrich, Julia Rothfuchs, Christian Ihringer, Nico Bitzen, Lukas Ebentheuer, Jürgen Barth, Jochen Pollitt, Oliver Bock, Rosa Opossum, Nira Priore, Christoph Bornmüller und Hanno Hener.